Wo die Knödel-Seele wohnt

Früher roch es am Münchner Ostbahnhof nach Dampf, Fleiß und – ganz unverkennbar – nach Kartoffeln. Über Jahrzehnte war das Pfanni-Gelände das pulsierende Herz der bayerischen Lebensmittelindustrie. Wo heute hippe Konzepte und moderne Glasfronten stehen, ratterten einst die Maschinen, um die berühmten Knödel und Pürees in die ganze Welt zu schicken. Es war ein Ort der ehrlichen Arbeit, ein industrielles Wahrzeichen, das München über Generationen hinweg prägte.

Doch als die Produktion Mitte der Neunzigerjahre eingestellt wurde, passierte etwas Magisches, das man in einer durchgeplanten Stadt wie München kaum für möglich gehalten hätte. Statt die Abrissbirne schwingen zu lassen, öffnete man die Tore für das Provisorium. Aus den Werkshallen wurde der legendäre Kunstpark Ost, eine Spielwiese für Nachtgestalten, Lebenskünstler und Kreative. Plötzlich tanzten die Menschen dort, wo früher Fließbänder standen, und sprühten bunte Visionen auf den grauen Beton. Es war laut, wild und herrlich unperfekt.

Heute hat sich das Areal unter dem Namen Werksviertel-Mitte erneut gewandelt, ohne dabei seine Wurzeln zu vergessen. Als weithin sichtbares Symbol für diesen neuen Geist dreht sich das riesige „Umadum“-Riesenrad über den alten Hallen. Es steht dort nicht ohne Grund: Es markiert den Platz, an dem in Zukunft das neue Konzerthaus thronen wird, und schenkt den Besuchern schon heute einen Blick über die Stadt, den man früher nur als Schornsteinfeger der Fabrik hatte. Es verbindet die industrielle Vergangenheit mit der Leichtigkeit der Moderne.

So ist ein faszinierendes Miteinander entstanden: Auf den Dächern grasen friedlich Schafe, während in den Gondeln des Riesenrads die Aussicht genossen wird und in den Etagen darunter Köpfe über der digitalen Zukunft rauchen. Zwischen schicken Büros und kreativen Ateliers spürt man immer noch den rauen Charme der alten Backsteinmauern. Das Gelände ist das beste Beispiel dafür, dass eine Stadt erst dann richtig lebt, wenn sie ihre Geschichte nicht übertüncht, sondern sie als Fundament für etwas völlig Neues nutzt. Wer heute über das Pflaster schlendert, begegnet nicht nur der Moderne, sondern auch dem Echo einer Zeit, in der hier die Kartoffel Königin war.

Um diese besondere Atmosphäre zwischen alten Fabrikmauern und dem riesigen „Umadum“ einzufangen, hatte ich diesmal ein ganz spezielles Werkzeug im Gepäck: das Canon RF 7-14. Der Ausflug ins Werksviertel war die perfekte Gelegenheit, dieses Fisheye-Weitwinkelobjektiv einmal auf Herz und Nieren zu prüfen.

Gerade an einem Ort, der so sehr von Kontrasten lebt, stößt man mit normalen Brennweiten schnell an Grenzen. Das RF 7-14 erlaubte es mir jedoch, die enorme Dynamik des Geländes festzuhalten – vom engen, industriellen Charme der alten Gassen bis hin zur gewaltigen Präsenz des Riesenrads, das über allem thront. Die extremen Perspektiven des Objektivs spiegeln genau das wider, was das ehemalige Pfanni-Gelände heute ausmacht: Weite, Mut zur Veränderung und ein völlig neuer Blickwinkel auf das alte München.